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Klimaneutralität und globale Partnerschaft: ein halbes Forschungssemester in Namibia
Prof. Wolfgang Wieser (Energie- und Gebäudetechnik) erforschte in Namibia das Potenzial der Wasserstoffproduktion und bereichert die Hochschullehre mit globalen Einblicken.
21/06/2026
Im Kampf um die Klimaneutralität blickt Deutschland auf einen wertvollen Verbündeten: Wasserstoff. Mit dem ehrgeizigen Ziel, bis 2045 klimaneutral zu sein, ist die Importstrategie für Wasserstoff ein entscheidender Baustein. Prof. Wolfgang Wieser tauchte in diese Zukunft ein und eruierte während seines halben Forschungssemesters in Namibia die Chancen und Herausforderungen der globalen Wasserstoffproduktion.
Neben dem Ausbau der Stromversorgung wird die Versorgung mit Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen. In der Importstrategie der Bundesregierung wird der Bedarf von Wasserstoff bis zum Jahr 2030 auf 95 – 130 TWh geschätzt. Um dieses Ziel zu erreichen, soll die Elektrolyseurleistung in Deutschland bis zum zu diesem Zeitpunkt auf 10GW und der Import von Wasserstoff auf 47 – 91 TWh pro Jahr ausgebaut werden. Hierzu schloss bereits die vorherige Bundesregierung entsprechende Abkommen mit potenziellen Ländern. Eines dieser Länder ist Namibia.
Zur Vorbereitung für den Aufenthalt in Namibia analysierte Wolfgang Wieser zunächst von Deutschland aus die vier größten Wasserstoffprojekte, die derzeit bestehen oder in den nächsten Jahren in Betrieb gehen. Die Kontaktaufnahme stellte sich – auf Grund der bis dato fehlenden Beziehungen – als schwierig und langwierig heraus. So dauerte es neun Monate, bis alle Kontakte hergestellt waren und der Flug Richtung Namibia starten konnte. Vor Ort vereinbarte Prof. Wieser Termine mit fast dreißig Personen aus dem Wasserstoffbereich, darunter alle betroffenen CEOs, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Regierung und weiteren Personen aus dem Wasserstoffbereich.
Dabei erhielt er zahlreiche Inspirationen und Eindrücke: Sei es von der Dimension mancher Projekte (PV-Flächen werden in Hektar oder sogar in km² angegeben), dem Zeitplan oder aber auch der Freundlichkeit und Offenheit der Projektpartner. Einige Projekte dienen dabei der lokalen Versorgung in Namibia, während andere zu 100 Prozent auf Export ausgelegt sind. Interessant dabei ist, dass der Export von Wasserstoff aus heutiger Sicht ausschließlich auf der Umwandlung in Ammoniak basiert. Dies bedeutet zwar weitere Prozessschritte sowohl in Namibia als auch in Europa (das Ammoniak muss hier wieder gecrackt werden), hat jedoch dies auf dem langen Transportweg und der bereits hohen Technologiereife der Transportmittel (Schiffe) viele Vorteile. In der Summe ließen sich so bis in fünf bis sechs Jahren ca. 11 TWh grüner Wasserstoff nach Europa bringen, die Umwandlungs- und Transportverluste bereits eingerechnet. Darüber hinaus wird derzeit auch „grünes“ Eisen vor Ort produziert. Dabei erfolgt die Eisenreduktion des Eisenerzes ebenfalls mittels Wasserstoff, so dass bei dem Hochofenprozess als „Abfallprodukt“ kein CO2, sondern reines Wasser entsteht.
Durch die niedrigen Produktionskosten in Namibia (man spricht derzeit von Wasserstoffgestehungskosten von teilweise unter 2€/kg), ist es möglich, den Wasserstoff mittelfristig für ca. 4-5 €/kg nach Europa zu liefern. Dieser Preis wäre mit in Europa hergestelltem grünem Wasserstoff mittelfristig vergleichbar.
Eine Herausforderung stellen die Vorgaben der namibischen Regierung mit teils sehr langen Bearbeitungszeiten sowie Vorgaben deutscher Institutionen (u.a. der KfW) zur Projektumsetzung dar. Ferner wird die zurückgehende Unterstützung der deutschen Regierung und dem damit einhergehenden Ausstieg deutscher Industrieunternehmen bedauert. Da die Projekte an einem „point of no return“ angelangt sind, steigen hier andere Projektpartner – insbesondere aus China – in den Aufbau und die Umsetzung mit ein.
Seine Erkenntnisse zum Auf- und Ausbau der globalen Wasserstoffherstellung in Namibia wird Prof. Wieser zukünftig unter anderem in seiner Vorlesung „regenerative Gasversorgung“ einbringen: "Die entsprechenden Vorlesungen an der Hochschule München werden dadurch bereichert und tragen zu einem erweiterten Wissenshorizont bei den Studierenden bei". Gleichzeitig wird er sein in Namibia gewonnenes Wissen in diverse Arbeitskreise nach München, Bonn und Berlin tragen.
Neben dem reinen Forschungsprojekt trug Wolfgang Wieser dazu bei, die Zusammenarbeit zwischen der Namibian University of Science and Technology (NUST) und der Hochschule München voranzutreiben. Dies soll zukünftig einen Studierenden- und Lehrendenaustausch zwischen beiden Ländern ermöglichen.