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Neue HM-Präsidentin Sonja Munz
Machen, Messen, neu Entscheiden
29/09/2026
Wenn sie sich auf etwas festlegt, dann weiß sie, warum. Das vermittelt Sonja Munz, die neue Präsidentin der Hochschule München. Die Hochschulwelt und unsere Gesellschaft erkundete sie bereits als Forscherin, HM-Professorin und Dekanin der Fakultät für Tourismus sowie als Vizepräsidentin für Forschung. Als neue Präsidentin ist sie die Entscheiderin der HM und plädiert für klare Ziele, aber auch für Fehlerkultur.
Ins Machen kommen
Bereits zu Beginn ihrer Hochschulzeit machte es Klick: „Was ich an Tag eins, als ich meine Professur angetreten habe, gespürt habe, war das Angewandte: einfach mittendrin stehen, plötzlich Probleme von Unternehmen lösen und Studierende dazu heranführen.“ Die Praxis-Mentalität passt zu Munz‘ Prämissen: „Ich finde, es ist Unsinn zu sagen, man muss immer einen Plan haben. Wichtig ist die Zuversicht, dass man das umsetzen kann, was man will. Aber man muss auch einfach machen.“
Zunächst peilte sie Soziale Arbeit als Berufsziel an und arbeitete während eines sozialen Jahres mit straffällig gewordenen Jugendlichen. Ihr Fazit: „Das muss grundsätzlicher angegangen werden!“ Daraufhin studierte sie Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, später Wirtschaftswissenschaften, um soziale und Arbeitsmarktprobleme nicht nur zu analysieren, sondern Lösungsstrategien dafür zu finden. Was heute wie eine logische Abfolge wirkt, war tatsächlich Ergebnis ihres Prinzips des Ausprobierens, Bewertens und neu Entscheidens: „Ich kann immer einen Cut machen, eine Planänderung – wir müssen wieder mehr in eine Fehlerkultur hineinkommen.“
Vielseitig und entscheidungsfreudig
Experimentierfreudig ist Munz auch in ihren Passionen: Zeitweise fuhr sie Motorrad, um den Kopf freizubekommen, heute wandert sie im Allgäu. Zudem erprobt sie das Leben in „ihrem kleinen Dorf“ mitten in München, einer partizipativ gestalteten Wohnungsgenossenschaft, Sitzungen und Austauschrunden nach Feierabend inklusive.
Experimentierfreudig heißt für Munz jedoch nicht beliebig. Entscheidungen trifft die Forscherin überlegt: Ziele definieren, Erfolg messen, auf Basis von Fakten urteilen. So entwickelte sie als Vizepräsidentin auch die HM-Forschungsinstitute. Ihr Credo: „Am Ende des Tages muss jemand entscheiden. Idealerweise möchte ich Menschen dafür begeistern, bestimmte Dinge zu erreichen. Deshalb bin ich für die Definition und Messbarkeit von Zielen, an diesen können sich alle orientieren.“
HM-Beitrag zur Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit
Als größte Herausforderung für die Gesellschaft und die HM sieht Munz aktuell die Wirtschaftslage. „Aus meiner Sicht müssen wir als Hochschule unseren Beitrag zur Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland leisten,“ sagt die Präsidentin. Dazu gehören für sie nicht nur Start-ups, sondern auch Auftragsforschung, Weiterbildung für Unternehmen, duale Studiengänge und die Ausbildung der Fachkräfte von morgen. „Erst in dem Moment, wo wir soziale und technische Innovationen in Wirtschaft und Gesellschaft gebracht haben, haben wir das HM-Wissen wirklich valorisiert.“
Haltung: Widersprüchlichkeit aushalten
Neben Klimawandel, Nachhaltigkeit und sozialen Problemen beschäftigen Munz aktuell besonders die gefährdete Demokratie und die Radikalisierung der Gesellschaft. Demokratie lasse sich auch fördern, indem man sie vorlebe – etwa durch Kompromissfähigkeit. Anstatt auf Gesinnungsethik und das konfrontative Durchsetzen ihrer eigenen Werte setzt sie auf Verantwortungsethik: „Ich möchte die Dinge so umsetzen, dass es verantwortlich für die Mehrheit der Menschen ist. Das ist oft mit Kompromissen verbunden, manchmal sogar damit, dass man gegen seine eigene Gesinnung verstößt. Aber diesen Schritt muss man gehen, um in einer Welt, die immer widersprüchlich ist, überhaupt handeln zu können.“
Bitter fällt ihr Resümee zu ihrem früheren Forschungsfeld aus, der Gleichberechtigung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt: „Bereits in der Literatur der 1960er Jahre lautete die Analyse: wenige Frauen in Führungsetagen, geringe Frauenerwerbstätigkeit, hohe Teilzeitrate. Verbesserungen gibt es bis heute nur im Promillebereich.“ Auch ein Grund für ihre Kandidatur war, selbst als Role Model für Frauen zu fungieren. Positive Vorbilder dafür hatte sie zu Hause: Mutter und Vater leiteten den Familienbetrieb gleichberechtigt: „Für mich war es eher erstaunlich, in der Welt da draußen festzustellen, dass das nicht normal ist.“
Und wie schaltet die neue HM-Präsidentin von den Herausforderungen und Widersprüchlichkeiten der Welt ab? „Es gibt fast nichts Entspannenderes, als den Traktor anzuwerfen und an einem sonnigen Spätsommertag in den Streuobstwiesen Äpfel zu lesen. Das ist extrem meditativ.“
Christiane Taddigs-Hirsch